Es ist Montag 9 Oktober 2017 und alle Aufmerksamkeit einer Hyäne

ich hoffe es geht Euch nach einem phantastischen Wochenende gut und Ihr startet in eine tolle Woche. Heute erzähle ich mal eine ganz andere und zwar eher tragische Geschichte. Sie handelt von jenem Konflikt, der sich auftut, wenn Wildnis und menschliches Handeln aufeinanderprallen und aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Es ist genau jene Situation, die Organisationen wie die Naturschutzbehörde South Luangwa und auch das Sambische Raubtierprojekt zu verhindern, oder im Ereignisfall zu lösen suchen. Unsere Hilfe ist dabei nur insoweit gefragt, wenn ein Tier durch menschliche Eingriffe verletzt wurde.

Vor einigen Wochen wandte sich Braston per Funk von einer Pirschfahrt mit Gästen aus an Nsefu. Sie hatten eine völlig erschöpfte Hyäne gefunden, die eine große Wunde am Genick hatte. Es sah aus, als trüge Sie auch noch die Schlinge einer Falle, aber dies konnte nicht mit Sicherheit erkannt werden. Wir wandten uns an das Hauptbüro mit der Bitte, das Team vom Sambischen Raubtierprojekt (ZCP = Zambian Carnivore Project) zu informieren, damit dieses die Fährte des Tieres aufnähme. Sehr schnell erhielten wir einen Rückruf von Ben vom ZCP, dem wir die Situation schilderten und beschrieben, wo sich die Hyäne aufhielte, und dass sie sich wohl wegen ihrer Schmerzen kaum bewege. Auch stationierten wir unseren lokalen Scout vor Ort, damit er helfen könne, während sich Ben und der Tierarzt Mwamba schnellstmöglich auf den Weg machten. Als sie in Nsefu ankamen, fuhren wir sofort in die Gegend, wo wir die Hyäne vermuteten. Doch die Suche vor Ort war zunächst erfolglos. Unser überaus erfahrener Scout Chris, der regelmäßig die Luangwa Bush-Camps begleitet, riet dazu, die Wasserpfützen im Bett des Flusses Croc zu kontrollieren. Seiner Vermutung nach würde eine geschwächte Hyäne die Nähe des Wassers suchen. Mit dem Auto fuhren wir also ein Stück weiter und passierten das Flussbett in der Gegend von Wafwa – und tatsächlich, dort fanden wir die Hyäne zusammengekauert in einer der Pfützen. Super gemacht, Chris!

Mwamba und Ben berieten, wie sie die Hyäne am besten betäuben könnten, so dass sie sich nicht ins Dickicht zurückziehen, sondern eher in die offene Ebene von Wafwa ausweichen würde. Vorsichtig näherten wir uns dem Tier, das uns zwar beobachtete, aber keine Anstalten machte zu fliehen. Ben positionierte den Wagen so, dass der dichte Busch hinter dem Wagen war und die Hyäne eigentlich nur in die entgegengesetzte Freifläche fliehen könnte. Mwamba zielte genau und traf das Tier im Oberschenkel. Die Hyäne sprang auf und rannte tatsächlich aus dem Flussbett hinaus in die offene Ebene von Wafwa. Und obwohl es ihr bald gelang, den Pfeil abzuwerfen, hatte das Betäubungsmittel schon die Blutbahn erreicht. Sie fing an zu torkeln, ihre Beine gaben nach und bald stürzte sie zu Boden. Der Schuss hätte nicht besser sitzen können. Die in der Nähe grasenden Pukus und Impalas schauten einigermaßen verstört auf die vor ihnen liegende Hyäne. Wir kamen näher und warteten noch eine Weile, um sicher zu gehen, dass das Betäubungsmittel ausreichend wirke. Mwamba und Ben waren die ersten an dem Tier und verbanden zunächst seine Augen zum Schutz vor dem Sonnenlicht. Dann untersuchten sie die Wunde. Diese war tief, und auch die Schlinge war noch da. Geübt entfernte Ben diese mit einer Zange, Mwamba desinfizierte die Wunde und spritzte ein Antibiotikum. Auch wurde Fieber kontrolliert und der Körper des Tieres vermessen. Schließlich entnahm der Tierarzt noch Haare, Blutproben und machte einige Fotos für seine Datenbank. Das ganze ging professionell und sehr schnell vor sich. Nun übergoss Ben die Hyäne mit Wasser, um sie zu kühlen.

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Jetzt erst spritzte Mwamba ein Gegenmittel zur Betäubung, um sie wieder aufzuwecken. Schnell bestiegen wir das Auto und fuhren ein Stück weg, um dem Tier einen Vorsprung zu geben. Nach ein paar Minuten kam die Hyäne zu sich, schaute in unsere Richtung, versuchte aufzustehen und begann wegzulaufen. Zwar strauchelten ihre Hinterbeine zunächst, aber bald schon hatte sie wieder alle Sinne beieinander und verschwand. Mwamba und Ben sind überzeugt, dass sie sich trotz der schweren Verletzung wieder völlig erholen würde. Hyänen seien stark und hätten ein sehr gutes Heilungssystem. Ohne Behandlung und mit der Schlinge hingegen hätte sie kaum die Woche überlebt.  Wir sind froh über die perfekte Zusammenarbeit zwischen Tierschutz, Nationalparkbehörde und dem Tourismus-Sektor. Weil alle Stellen miteinander kooperierten, konnte das Leben dieser Hyäne gerettet werden. Hoffentlich bleibt sie künftig von einem solchen Ereignis verschont!

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So habt Ihr einen lebendigen Eindruck davon, was hier abgeht. Ich hoffe, Euch hat dieser etwas andere Blick auf das Geschehen in der Wildnis von Luangwa gefallen. Ich wünsche Euch eine schöne Woche mit viel Grund zur Freude und bin schon gespannt, was ich nächste Woche berichten kann.

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