Es ist Montag 1 Januar 2018 und wir scheinen zu segeln

Hallo miteinander, ich hoffe Ihr seid wohlauf und gut in das Neue Jahr gestartet, mit all den guten Aussichten, die Ihr Euch wünscht. Hier im Luangwa geht alles seinen gewohnten Gang für den Jahresbeginn, und so wollen wir uns heute gedanklich auf den Weg in die Liuwa-Ebene machen, da wir einen wunderbaren Bericht von Alastair Newton erhalten haben, der dort kürzlich zusammen mit Robin auf Safari war, und damit übergebe ich an Alastair:

“Es mag eine optische Täuschung sein; aber tatsächlich gibt es in der Liuwa-Ebene Stellen, an denen es uns erschien als könnten wir die Krümmung der Erde in einer Weise erkennen, wie man dies sonst nur auf der offenen See wahrnimmt. Und dies Anfang Dezember, also bevor sich die alljährliche Flut einstellt!

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Für Clare und mich war es der erste Besuch von Liuwa. Da wir in Livingstone leben, wollten wir zunächst mit dem Auto dorthin aufbrechen; nicht zuletzt wegen der neuen Straße von Sesheke nach Kalabo (wo man dann den Luanginga per handgetriebenem Ponton überquert, um in den Nationalpark zu gelangen). Allerdings ist die Strecke von Kazungula nach Shesheke in sehr schlechtem Zustand. Und als sich die Möglichkeit abzeichnete, von Robin Pope persönlich geführt zu werden, entschieden wir uns kurzerhand für die Fahrt nach Lusaka (trotz der Straße von Mazabuka nach Kafue!), wo die Tour startete, und flogen nach Kalabo.

Der Blick aus dem Flieger – Lochinvar, Itezhi-Tezhi, der ‚gewaltige Sambesi‘ – ist schlicht spektakulär. Doch es ist kein kurzer (oder gar billiger!) Flug, vielmehr wird einem bewusst, wie groß – und überwiegend unbesiedelt – Sambia ist.

Abgesehen von der Anreise mit dem Flieger (und umso mehr der zeitraubenden Alternative der Autoanfahrt), würden wir auch aus weiteren Gründen zögern, Liuwa dem Safari-Neuling zu empfehlen! Aus unserer Sicht macht es Sinn, zunächst mal zu erwähnen, was man dort (noch) nicht vorfindet, als zu benennen, was es dort gibt. Keine Elefanten, Giraffen oder sogar Impalas für die Anfänger! Und dennoch ist die Tierwelt spektakulär. Die Streifengnus (der Bestand zählt ungefähr 24.000 Tiere) vervielfachten sich täglich vor unseren Augen, da die Wanderung aus dem Norden gerade ihren Höhepunkt erreichte. Die (wieder angesiedelten) Büffel, inzwischen auf zwei Herden verteilt, fesselten unsere Aufmerksamkeit. Ebenso die kleine aber wachsende Löwenpopulation, die, ebenso wie Geparden und Hyänen, von der grundlegenden Arbeit des Sambia-Raubtier-Programms profitiert. Es bleibt zu hoffen, dass die Wilden Hunde, einst durch David Attenborough berühmt geworden, doch seit einigen Jahren aus unerklärlichen Gründen verschwunden, bald wieder in dieser für sie perfekten Umgebung auftauchen.

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Schließlich die Vogelwelt. Obschon noch früh in der Saison zählten wir Kraniche (Graue Kronen- und Klunkerkraniche) zu Hunderten und Wattvögel zu Tausenden, die mit den Wasservögeln um Platz in den wachsenden Pfannen konkurrierten. Herrschaftliche Sekretärsvögel und Trappen stelzen majes-tätisch durch das Gras. Und auch Raubvögel – vom kleinen Sperber bis zum Kampfadler – gibt es im Überfluss.

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Doch wie es schon die Überschrift andeutet, so besticht Liuwa nicht nur mit seiner Tierwelt, sondern vor allem auch durch die malerische Landschaft und seine Flora. Hier zu wandern ist tatsächlich Futter für die Seele, wenn quasi die Kronen eines unterirdischen Waldes den Boden mit einem Meer aus Grün bedecken, ‚befleckt‘ lediglich durch verstreute pinke und gelbe Blumen, und sich diese Sicht bis zum Horizont erstreckt, so dass man meint, die Krümmung der Erde zu erkennen. Und an einigen Stellen erwachsen dann aus dem Nichts segelschiffähnlich geblähte Kumuluswolken, heftige Schauer ankündigend, die bald annähernd die gesamte Ebene fluten werden. Die wenigen tatsächlichen Bäume sind in dieser Szenerie nicht nur markante Wegzeichen, sondern zugleich Zuflucht für die Tierwelt, vom Löwen bis hin zum Senegalliest.

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Die nagelneue King Lewanika Lodge wird die Ansprüche all jener erfüllen, die (wie ich!) abends mit einem eher bescheidenen Komfort zufrieden sind, nicht jedoch von Gästen, die von einem überentwickelten Hang zum Luxus erfasst sind. Je nachdem, was African Parks jetzt an Erfahrung und Mittel einfließen lässt, erwarten wir, dass sich Liuwa zu einem der attraktivsten Safariplätze Afrikas entwickeln wird. Und das für all jene, die (wie wir) Safari am liebsten ‚fern der Massen‘ genießen, so sahen wir kaum einen anderen Besucher während unseres gesamten Aufenthalts. Dennoch wird dieser Zustand hoffentlich nicht anhalten. Liuwa braucht wesentlich mehr Besucher, um auch wirtschaftlich überleben zu können. Doch auf absehbare Zeit bleibt es noch ‚ein wenig besuchtes Ziel‘ – und eines, das wir bestimmt bald wieder ansteuern werden.“

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Dank an Alastair, was ein wunderbarer Reisebericht, und danke dafür, dass Du uns daran teilhaben lässt. Und damit will ich es bewenden lassen, nicht ohne allen Lesern eine wunderschöne Woche zu wünschen mit viel Freude Grund zum Lachen.
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