Es ist Montag 11 Juni 2018 und ein waghalsiger Leopard

Ich hoffe, es geht Euch gut und Ihr blickt auf ein herrliches Wochenende zurück. Hier im Luangwatal ist der Winter eingezogen und ich kann Euch ohne Übertreibung sagen, dass es morgens richtig kalt ist. Die Temperaturen fallen bis zu 10 Grad und wir schützen uns mit Mützen, Schals und jeder Menge Pullover. Das mag sich für Euch natürlich anhören als wären wir alles Weicheier, doch Ihr solltet berücksichtigen, dass es hier ja weder Fenster noch Heizungen in den Zimmern gibt, dass wir somit ungeschützt der Nachtkälte ausgesetzt sind und morgens erst mal den einen oder anderen Moment brauchen um aufzutauen. Sei’s drum, lasst uns nicht weiter beim Wetter aufhalten, es geht ja schließlich darum, was hier im Busch so abgeht. In Vorbereitung habe ich in der mir üblichen Hektik die Guides um entsprechende Berichte gebeten, weil ich vergangene Woche noch mehr als sonst in Computerarbeit vertieft war, und so war ich schlicht überwältigt, als sie endlich in mein Büro kamen, um Bericht zu erstatten, und ich freue mich, das, was sie schließlich erzählten, nun mit Euch zu teilen.

John war mit einigen Gästen unterwegs, als sie einen entweder sehr mutigen oder total verrückten Leoparden sahen! Sie waren einem Rudel von 22 Wildhunden begegnet, die soeben einen Wasserbock getötet hatten — was für sich schon ein eindrucksvolles Erlebnis ist, da dieses Beutetier ja keineswegs klein ist. Die Hunde waren also vollauf mit dem Fressen beschäftigt, als sich ein großer Leopard dazugesellte und die Idee verfolgte, sich ein Stück der Beute zu sichern und so eine mühelose Mahlzeit zu genießen! Das aber musste ordentlich schief gehen, wenn man sich allein die mathematischen Bedingungen anschaut mit 1 Leoparden gegen 22 Wildhunde — wir wissen alle, wer da gewinnt! Bereits während des Versuchs, sich anzuschleichen, wurde er erkannt und flüchtete so schnell wie irgend möglich auf den nächstgelegenen Baum. Die Hunde ihrerseits beschlossen, dass es ein guter Plan sei, sich just unter diesem Baum auszuruhen und damit den Leoparden noch mehr bloß zu stellen. Leider kann ich Euch gar nicht berichten, wie lange die Hunde dort ausharrten und damit den Leoparden in Schach hielten, denn nach einer Weile brach John mit seinen Gästen auf, doch ich bin sicher, dass die arme Katze noch eine ganze Weile in dieser Falle saß.

Apropos Katzen, die 12 Löwen des Nkwali-Rudels wurden kürzlich dabei beobachtet, dass sie einen Büffel erlegt hatten und anschließend nach dem Festmahl total dickgefressen noch immer kleine Happen untereinander teilten, und sie, obschon dem Platzen nahe, sogar nach der Ankunft vieler Geier nicht bereit waren, auch nur einen kleinen Happen ihrer schwer verdienten Beute preiszugeben, sondern eher aufzustehen und die Geier davonzujagen. Es versteht sich, dass die Löwen sich derart satt gefressen über mehrere Tage nicht von dem Platz fortbewegten.

Themenwechsel und damit was ganz anderes, denn die wunderschönen Ebenholzbäume und ebenso die Tamarindenbäume tragen Früchte, was für die Jahreszeit recht früh ist. Und so macht es großes Vergnügen, Paviane zu beobachten, wenn die auf der Suche nach Früchten durch die Bäume rasen und dort fressen; dabei sind sie ungeschickt und unordentlich, so dass Reste und ungewollte Früchte auf den Boden fallen, zudem schütteln sie bei der Hetze durch die Baumkronen reife Früchte herunter. Unter den Bäumen harren dann schon Warzenschweine und Impalas, um sich über das Fallobst herzumachen. Zudem beteiligen sich Elefanten an dem Spektakel, wenn sie ganze Äste abreißen, und dabei die Bäume so heftig schütteln, dass ebenso jede Menge reifer Früchte herunterfallen. Die Luft ist angefüllt mit dem süßen Duft des Jasmins, der derzeit blüht, und dessen strahlend weiße Blüten einen wunderbaren Kontrast zum vorherrschenden Grün bilden.

So, das war es dann auch schon wieder für diese Woche, ich will an dieser Stelle enden, denn ich habe Euch schon lange genug aufgehalten, und so danke ich für Eure Aufmerksamkeit und verabschiede mich mit besten Wünschen für eine tolle Woche voller Freude und Grund zum Lachen.

 

 

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